So ist das also!

Ich flüstere Euch mal was.

In meinem Bücherregal stand mal ein Buch, „Gespräche mit Tieren“ oder so ähnlich. Ich hab es gelesen und kam mir unheimlich verarscht vor (Sorry, aber das ist das einzige Wort, das passt..). Zum Beispiel der Abschnitt über den Versuch, mit Flöhen und Zecken auf mentalem Weg zu kommunizieren. Deren Antwort auf alles gute Zureden, die armen Katzen und Hunde doch zu verschonen mit ihrer Gier nach Blut war, laut Autorin: „Hunger!“, und so bleibt am Ende dieses Kapitels nichts als der Ratschlag, weiterhin auf Zeckenhalsbänder und Flohpulver zu vertrauen. Aber das nur am Rande. Natürlich habe ich auch das Buch vom „Pferdeflüsterer“ Monty Roberts gelesen. Was tat mir der arme alte Mann leid. Der hat es ja wirklich nicht leicht gehabt. Richtig leid getan hat mir aber der Mustang „Shy Boy“. Den massiven Druck, unter den man dieses Pferd gesetzt hat, als „gewaltfreien, friedlichen Dialog zwischen Mensch und Pferd“ zu bezeichnen, scheint mir doch ein wenig an der Wahrheit vorbei zu gehen.Da stimme ich eher jenem Westernausbilder zu, der sagte: „Es ist gar nicht nötig, mit Pferden zu flüstern, es reicht, ihnen zuzuhören“ Obwohl, ich rede schon mit meinen Viechern. Und sie mit mir. Ehrlich.Unser Bobby zum Beispiel, der war ein Hund, der hat mir auf alles was ich ihm zu sagen hatte eine Antwort gegeben. Er war zwar ein wenig wortkarg, aber was wir da führten waren eindeutige Gespräche. Gar nicht so verschieden von denen, die ich mit meiner ältesten Tochter führe.“Komm her!“ – „Ja. Gleich.““Läßt du den Kleinen in Frieden!“ – „Ja. Gleich!““Pfoten weg von der Schokolade!“ — „Zu spät!““So verdreckt gehst du mir nicht auf meinen Sessel!“ – „Redest Du mit mir?“Bobby ist nicht mehr, jetzt gibt es Sam, auch Sam steht einer Unterhaltung mit mir jederzeit aufgeschlossen gegenüber, auch wenn er schon noch recht albern sein kann:“Gib mir meine Socken wieder!“ – „Kuck doch mal wie toll ich Löcher reinbeißen kann!““Raus aus dem Matschloch!“ – „Au ja! Komm du auch rein!““Pfui, erst Hühnerdreck auflecken, dann meine Nase küssen!“ — „Ich liebe dich auch.“Gut, soviel zu den Hunden, von den Katzen rede ich nicht, weil, was ich mit denen rede, das behalte ich besser für mich. Es könnte sonst leicht ein grundsätzlich falsches Bild von mir entstehen „Mistvieh malefiztes!“ gehört noch zu den harmloseren Ausdrücken, wenn Jojo mal wieder eine tote Maus unter einem Bett versteckt oder Luzi eine offen stehende Milchtüte umgeworfen hat. Und was krieg ich als Antwort:? – „Keep cool, Mädchen.“

Reden wir lieber von den Pferden.Da könnte auf den ersten Eindruck durchaus scheinen, als hätte ich selber nicht so viel zu sagen, sie dagegen um so mehr. Da greift einfach auch ihre zahlenmäßige Übermacht.Vieles läuft da ja nonverbal ab. Wenn ich jetzt im Herbst morgends noch reichlich verschlafen Richtung Auslauf stiefle, um sie rauszulassen auf die Wiese, dass ich in Ruhe die Spuren einer langen Nacht verräumen und ihren Tisch fürs erste Frühstück decken kann, dann stehen sie alle aufgereiht am Zaun und ihre ungeduldigen Blicke sagen deutlich genug: „Geht es nicht ein bißl hurtiger!!!!““Nein!“ muffle ich dann, was sie aber überhaupt nicht stört. Um so eiliger drängeln sie dann aus dem Tor: „Na endlich! Platz da! Ich zuerst!“Und kaum dass ich dazu komme, den Schubkarren zum ersten Mal zu füllen, schaut schon der erste nach, ob ich vielleicht heute nicht gar so trödle wie sonst immer, und auch da ist der Blick ein einziger Vorwurf, wenn die Heukisten noch leer sind. Und wie sie danebenstehen und motzen, kaum dass ich das Stadeltor aufschiebe! „Wird auch Zeit! Hat ja wieder lange genug gedauert! Hast du eine Ahnung, wie fad das Gras da draußen schon schmeckt? Wahrscheinlich nicht, sonst ginge das schneller. Jetzt aber her mit dem Futter!“Und wie sie dann rummäkeln:“Nur so wenig Grummet? Sollen wir vielleicht alle an Auszehrung zugrunde gehen? Und was soll denn das sein? Nennt sich sowas bei dir Heu! Gibts heute kein Obst? Mußt du sparen oder was!? Und nur eine Semmel für jeden? Hast wohl wieder alle selber gegessen!“ Vorwürfe kriege ich überhaupt oft. Weil ich ihnen nichts gönne, und vor allem nichts gutes, und weil ich immer, immer, irgendeines bevorzuge, Weil ich beim Satteln den Gurt zu fest ziehe, weil ich zu ungeschickt aufsteige, weil ich kaum Rücksicht nehme auf ihre momentanen Befindlichkeiten, weil ich so geizig bin mit Lekkerlis und überhaupt.Und wenn ich dann sage:“ „ihr könnts mich doch alle mal!“ da kommt dann bestimmt Sunshine oder Fjalli, gibt mir einen Schmatz aufs Ohr und das interpretiere ich dann als: „Ach, lass die doch stänkern, für uns bist du doch die Beste!“So was baut einen natürlich auf!Aber es gibt schon auch ernsthafte, gleichberechtigte Gespräche. Zwischen mir und Merlin zum Beispiel: „Rauss aus der Sattelkammer!“ – „Das geht grade nicht, da sind noch Lekkerlis im Schrank.“Zwischen mir und Sunny: „Du brauchst kein Extrafutter, schau dir doch deine Fettwampe an!“ – „Ich bin vielleicht fett, aber auch furchtbar hungrig, also her mit dem Eimer!“Zwischen Tempes und mir: „Wer bist denn du? Kraulst du mich hinterm Ohr?“ – „Nein mein Süßer, tu ich nicht! Ich bin nämlich die, die dich jeden Tag wieder aus der Box scheucht, weil da Elisa reinsoll und nicht du! Also raus jetzt! Aber flott!““Zwischen Fenja und mir: „Ich mag jetzt nicht Hufe geben!“ – „Ist mir doch wurscht!“Und es soll keiner behaupten, es wär nur Einbildung, dass die Pferde verstehen, was ich sage.

Damals, als Bjössi im Fressgitter feststeckte und weder vor noch zurück fand, und als letzter Ausweg anscheinend nur noch blieb, ihn sedieren zu lassen um ihn dann mit der Flex freizuschneiden, da hab ich in meiner eigenen Ratlosigkeit meine Stirn gegen seinen Hals gelegt und ihm in Ruhe erklärt, dass, wenn er mithelfen würde, anstatt in seiner Panik gegen mich zu gehen, dann käme er auch so wieder heraus. Da hat er bestimmt zugehört und dann tief durchgeschnauft, Und danach konnte ich seinen Vorderfuß nehmen und ihn mit einiger Mühe dahinbugsieren, wo er hingehörte, den Rest hat Bjössi dann ganz allein, mit Überlegung und ohne jede Hektik selbst geschafft.Oder das eine Mal, wo mich meine Elisa in jugendlichem, frühjahrstrunkenem Übermut bei einem Buckler im Galopp absetzte. Ich tat, sozusagen noch im Flug, einen empörten Schrei, worauf meine Prinzessin, anstatt den anderen, die eben in flottem Tempo um eine Wegbiegung verschwanden, hinterherzujachtern, sofort umdrehte, stehenblieb, auf mich runtersah, die ich im Dreck hockte und lauthals schimpfte über ihre Gedankenlosigkeit. Wenn jemals ein Pferd „uuups“ sagte, dann sie in diesem Augenblick. Und wenn jemals ein Pferd seitdem darauf achtet, ja keinen Reiter mehr zu verlieren, dann sie.Ok, es gibt natürlich auch Pferde, die gar nix verstehen. Haflinger Johnny war so einer. Immer und immer wieder ist er über mich gefallen wenn ich beim Heuverteilen war, zuletzt hab ich ihm den Gabelstiel auf seinen dicken Hintern gedroschen damit er mal aufmerkt und Abstand hält. Und was tut er? Dreht sich um und sagt: „He, du! Das hat jetzt aber grad wehgetan! Aber du hast es bestimmt nicht mit Absicht gemacht. Ich verzeih dir nochmal.“ Und tritt mir wieder auf die Füße. „Du solltest mal wieder mehr unter die Leute.“ Höre ich jetzt den einen oder anderen mitleidigen Tones sagen. „Den ganzen Tag allein, nur mit den Viechern um dich, das tut dir nicht gut. Denk an Tom Hanks, der hat mit einem Ball geredet.“Ja, und damit hat er unglaublich viel Geld verdient. Und andere machen einen Haufen Kohle mit Büchern, in denen sie behaupten, mit Tieren reden zu können, und in Wahrheit verkohlen sie nur die Leute. Da wird einer hochgelobt zum Pferdeflüsterer, und dabei ist er nur zu faul den Mund aufzumachen. Ich rede nicht mit Bällen, und keiner gibt mir auch nur einen Cent dafür, dass ich mich tagtäglich rumschurigeln lasse von meinen Pferden. Dafür werde ich jetzt der einzig wahre Pferdeflüsterer! Weil, wenn die alle nicht parieren, dann flüster ich denen aber mal was! Ganz umsonst!

S. Nebl