Über Reiter im Allgemeinen

und die von Islandpferden im Besonderen

Aus ungefähr siebzehn Jahren fast täglicher Studien lassen sich unter dem Groß-Volk der Reiter einzelne Gattungen feststellen. Die drei wichtigsten seien hier genannt:

Die Ruhigen: Für Außenstehende sind diese Reiter manchmal sehr amüsant. Im Stall sind sie hauptsächlich anwesend, um Glani/Blesi/Svipa/Gletta/… zu putzen, pflegen, waschen, bürsten etc. Wenn es Herbst wird, müssen die Pferde Kräutertee inhalieren („Gestern hat er so ausgesehen, als müsste er gleich husten“) und werden kaum noch geritten („Reiten? Und wenn er schwitzt???“). Im Frühsommer geht es allerdings wieder voll los: Bodenarbeit und Longieren („Vielleicht wird er mal ein bisschen lockerer im Trab“) und im Gelände lange geführte Strecken mitten im Wald („Bis zur nächsten Straße noch, dann können wir wieder aufsteigen.“). Das Reiten selbst gestaltet sich eher ruhig („Tölt? Meinst du, da kann ich ihn halten?“) und das Pferd normalerweise eher gemächlich.
Außer der Reiter besitzt einen heißen Ofen, der gerne auch mal ohne Vorbereitung tölten würde oder zu einem flotten Galopp auf der abgemähten Wiese auch nicht nein sagen würde: Dann wird halt noch ein bisschen länger geführt („Gladur heizt sich so leicht auf und dann schwitzt er wieder“) oder ein Bodenarbeitskurs mit Thema „Vertrauensbildung“ belegt. Andere Reiter werden als „Hetzer“ und „lieblose Pferdeschinder“ bezeichnet und dementsprechend kommen auch nur selten gemeinsame Ritte zustande.

Die Flotten: Das ist jene Gruppe von Menschen, die von oben genannten nicht gerne gesehen wird. Pferde sind hauptsächlich da, um flott vorwärts zu kommen und außerdem soll es doch Spaß machen. Entsprechend lustig geht es beim gemeinsamen Ausritt zu („Los, galoppieren wir noch einmal!“). Für ängstliche Reiter ist diese Gesellschaft nicht ideal, da sie vermutlich vom höheren Tempo nicht so begeistert sind. Die Pferde sind eher dünn („Richtige Sportler! Kein Gramm Fett zu viel!“) und von fremden Reitern weniger gut zu dirigieren („Aber wir galoppieren hier immer, das weiß er halt schon!“) und in der Bahn nicht besonders motiviert, genauso wie die Besitzer („Immer im Kreis, das ist ja öde. Und zum schneller Reiten ist das hier viel zu klein!“).
Dementsprechend wird auch nicht viel Wert auf Gymnastizierung („Bin ich hier in der Spanischen Hofreitschule???“) und Takt („Hauptsache, er geht vorwärts.“) gelegt. Wobei Tölt schon allein von der Bequemlichkeit dem Trab vorzuziehen ist. Normalerweise geht es halt dann im flotten Pass vorwärts, da das Pferd für einen Tölt ja locker sein sollte…

Die Eifrigen: Das ist ebenfalls eine interessante Gattung, die oft bei regionalen Turnieren zu sehen ist. Die meiste Zeit ihres Reiterlebens verbringen diese Menschen auf Ovalbahnen („Nökkvi geht im Gelände so hektisch, ich glaube, er hat Angst vor den Bäumen.“) und trainieren für den nächsten Wettbewerb. Am wichtigsten sind Beinaktion und Takt („Was meinst du, welche Note das gewesen wäre?“), auf Durchlässigkeit wird weniger geachtet („Glani mag Reiterrichter nicht so gerne.“). Die Aktion wird durch Gewichte und schwerere Hufeisen verstärkt oder hergestellt und etwa alle drei Monate kommt das Pferd in professionellen Beritt („Hinterher geht er jedes mal so schön, richtig prima!“).

Übrigens: Keiner sollte sich hier persönlich angesprochen oder gar beleidigt fühlen, nobody’s perfect…

VH